Die Basis des digitalen Dorfs #LokalDigital

Bedarf

Vor drei Jahren bin ich in unser Dorf mit etwa 2.400 Einwohnern gezogen. Vorher hatte ich in Braunschweig gewohnt. Mit dem Umzug aufs Dorf habe ich gemerkt, wie wichtig es für mich ist, dass Informationen der Daseinsvorsorge und des Gemeinwesens digital verfügbar sind.

In der Großstadt war das für mich nebensächlich: Durch den dichten öffentlichen Nahverkehr war mein Aktionsradius riesig. Es reichte völlig aus, ein paar passende Angebote zu kennen. Hier auf dem Dorf ist das anders. Wege außerhalb des Orts kosten viel Zeit und erfordern meist ein Auto. Umso wichtiger ist es zu wissen, was es direkt vor der Haustür gibt.

Zur modernen Daseinsvorsorge gehört meiner Ansicht nach heutzutage nicht nur, dass Strom, Wasser, ÖPNV, Schulen und die Müllabfuhr funktionieren. Ebenso wichtig ist, dass Informationen darüber digital auffindbar sind. Damit meine ich nicht, dass die Informationen in einer PDF-Datei auf der dritten Unterseite einer veralteten Website stecken. Nur wer weiß, was das Gemeinwesen im Dorf bietet, kann mitmachen oder sich engagieren.

Doch eine solche Übersicht fehlte. Vieles bekam man nur über persönliche Kontakte mit und es war mühsam, Informationen über allgemeine Infrastruktur zusammen zu suchen. Deshalb habe ich angefangen, diese Informationen in meinem persönlichen Wiki zu sammeln. Das hat zwar für mich selbst funktioniert, löste das Problem für die Allgemeinheit aber nicht.

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Wenn aus Profilen wieder Personen werden

Der Hintergrund

In unserer Gemeinde Cremlingen und unserem Ort Schandelah wird die App StadtLand.Funk genutzt, über die sich Bürgerinnen und Bürger lokal allgemein austauschen können, wo amtliche Mitteilungen verbreitet werden können und Veranstaltungen angekündigt, sowie Dinge angeboten und gesucht werden können.

In den letzten Monaten kam es in StadtLand.Funk in unserem Dorf immer wieder zu sehr kontroversen Debatten. Einzelne Nutzer stießen regelmäßig Themen mit teils radikalen Meinungen an, was heftigen Gegenwind erzeugte.

Auch wenn die Schwelle zu direkten Beleidigungen gewahrt blieb, schaukelten sich die Diskussionen oft hoch. Es kam zu persönlichen Angriffen und unlauteren Rhetoriktricks wie Strohmann-Argumenten und Provokation. Viele Mitlesende fühlten sich von der Dauerpräsenz dieser Debatten und dem harten Ton schlicht genervt.

Aus dieser Anspannung heraus entstand der Wunsch nach Veränderung: Sowohl genervte Beobachtende als auch die aktiven Diskutierenden selbst schlugen immer wieder vor, das Gespräch von Angesicht zu Angesicht zu suchen. Diese Vorschläge waren glücklicherweise immer als Deeskalation zu verstehen und keinesfalls als Aggression.

Das persönliche Treffen

Unter dem Motto „Perspektiven & Pizza“ mit dem passenden KI-generierten Titelbild habe ich schließlich für den 14. August 2026 ab 19 Uhr ins La Dolce Vita im Sportheim Schandelah geladen.

Zunächst hatten neben mir nur drei weitere Personen zugesagt und eine Absage kam kurz vor dem Termin. Ich hatte mich deshalb schon auf eine Dreierrunde eingestellt. Jedoch kamen im Laufe des Abends noch einige weitere Personen dazu, sodass wir die meiste Zeit zu acht in wechselnden Konstellationen diskutiert haben. Entgegen meiner Annahme war ich nicht um 21 Uhr wieder zu Hause. Stattdessen saßen wir bis zur Schließung um 23 Uhr zusammen.

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