Die Basis des digitalen Dorfs #LokalDigital

Bedarf

Vor drei Jahren bin ich in unser Dorf mit etwa 2.400 Einwohnern gezogen. Vorher hatte ich in Braunschweig gewohnt. Mit dem Umzug aufs Dorf habe ich gemerkt, wie wichtig es für mich ist, dass Informationen der Daseinsvorsorge und des Gemeinwesens digital verfügbar sind.

In der Großstadt war das für mich nebensächlich: Durch den dichten öffentlichen Nahverkehr war mein Aktionsradius riesig. Es reichte völlig aus, ein paar passende Angebote zu kennen. Hier auf dem Dorf ist das anders. Wege außerhalb des Orts kosten viel Zeit und erfordern meist ein Auto. Umso wichtiger ist es zu wissen, was es direkt vor der Haustür gibt.

Zur modernen Daseinsvorsorge gehört meiner Ansicht nach heutzutage nicht nur, dass Strom, Wasser, ÖPNV, Schulen und die Müllabfuhr funktionieren. Ebenso wichtig ist, dass Informationen darüber digital auffindbar sind. Damit meine ich nicht, dass die Informationen in einer PDF-Datei auf der dritten Unterseite einer veralteten Website stecken. Nur wer weiß, was das Gemeinwesen im Dorf bietet, kann mitmachen oder sich engagieren.

Doch eine solche Übersicht fehlte. Vieles bekam man nur über persönliche Kontakte mit und es war mühsam, Informationen über allgemeine Infrastruktur zusammen zu suchen. Deshalb habe ich angefangen, diese Informationen in meinem persönlichen Wiki zu sammeln. Das hat zwar für mich selbst funktioniert, löste das Problem für die Allgemeinheit aber nicht.

Umsetzung

Anfang des Jahres kam die Wendung: Ich hatte zufällig festgestellt, dass die Domain meines Dorfs – schandelah.de – frei war. Das war die Gelegenheit, meine Informationssammlung an prominenter Stelle für alle darzustellen. So konnte ich auch verhindern, dass die Domain von kommerziellen Anbietern übernommen wird.

In den folgenden Wochen habe ich dann die Website aufgebaut. Sie bietet die Basis dessen, was jedes Dorf und jedes Stadtviertel haben sollte.

Diese Informationen gehören übersichtlich an einen Ort:

  • Aktuelles und Termine: Nachrichten aus Vereinen, Politik und Verwaltung sowie ein lokaler Veranstaltungskalender
  • Versorgung: Bäckerei, Supermarkt, Gastronomie, Öffnungszeiten.
  • Kultur: Angebote zu Kunst, Wissenschaft und Bildung
  • Gemeinschaften: Übersicht über Vereine, freiwillige Feuerwehr und Initiativen
  • Entsorgung und Verwaltung: Abfallkalender, Containerstandorte, Bürgerservice und Mängelmelder
  • Familie: Kita, Schule und Spielplätze
  • Mobilität: Bahnhof, Bushaltestellen, E-Auto-Ladesäulen, Fahrradverleih
  • Gesundheit: Ärzte, Krankenhäuser
  • Post: Filiale, Briefkästen, Packstation
  • Gebäude und Einrichtungen: Dorfgemeinschaftshäuser, Sportheime, Sportstätten, Veranstaltungsräume
  • Kommunikation: Gemeindezeitung, Bekanntmachungen, digitale Vernetzung

Offene Informationen, offene Standards, offener Code

Bei der Erstellung der Informationssammlung war mir wichtig, möglichst wenig auf kommerzielle Drittdienste zu verweisen. Deshalb habe ich für geografische Informationen OpenStreetMap verlinkt, statt Google Maps, Bing Maps oder Apple Maps. Dabei habe ich die Gelegenheit genutzt und Informationen in OpenStreetMap eingetragen und aktualisiert. So werden beispielsweise die Öffnungszeiten vom Bäcker, der Pizzeria, Postfiliale und dem Dorfladen von OpenStreetMap geladen. Dort können sie von den Betreibern und anderen Engagierten gepflegt werden.

Die Neuigkeiten sind eine Aggregation von Websites der Gemeinschaften unseres Dorfs. Viele bieten ihre eigenen Neuigkeiten als RSS-Feeds an, die automatisiert eingelesen und angezeigt werden. Statt den Beitragstext zu kopieren, wird auf den Eintrag auf der jeweiligen Websites verlinkt. Die Liste der RSS-Feeds biete ich wiederum als OPML-Datei an, wodurch die Liste in Feedreader importiert werden kann.

Den Code der Website habe ich unter einer freien Lizenz in einem Code-Verzeichnis veröffentlicht. So ist transparent, wie die Website funktioniert. Andere könnten darauf aufbauen und den Code für ihre Bedarfe verändern und verwenden.

Potenziale

Leider bieten nicht alle Websites unserer Gemeinschaften RSS-Feeds an. Insbesondere die Websites der drei vertretenen Parteien haben dahingehend erhebliche Defizite. Das sollte technisch einfach lösbar sein.

Kalender sind bisher nur sehr schwer aggregierbar, weshalb ich die Termine manuell pflegen muss. Technisch ist das zwar mit dem iCalendar-Format möglich. Allerdings bieten die wenigsten Websites der Gemeinschaften überhaupt Kalender an. Wenn sie das tun, dann nicht unbedingt maschinenlesbar. Letztendlich dürften nur die öffentlichen Veranstaltungen wie Feste zentral dargestellt werden und die internen Termine wie Gruppentreffen müssten herausgefiltert werden. Die Lösung dieses organisatorischen und technischen Problems ist deutlich aufwendiger.

Ausblick

Die Website unseres Dorfs ist ein erster Schritt, um das Problem der mangelnden digitalen Zugänglichkeit zu lösen. Wie das Problem für viele weiter Dörfer gelöst und die Lösung noch deutlich optimiert werden kann, wird mich in nächster Zeit beschäftigen.

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